Nummerntafeln für Fahrräder: 2 Argumente dafür & 3 dagegen

Nummerntafeln für Fahrräder: 2 Argumente dafür & 3 dagegen

Vor allem in Städten fallen Fahrradfahrer häufig dadurch auf, dass sie sich nicht an Verkehrsregeln halten und beispielsweise zu schnell unterwegs sind, auf dem Gehsteig oder gegen die Einbahn fahren und somit für sich selbst und andere eine Gefahr darstellen. Immer wieder gibt es Diskussionen, ob deshalb Nummerntafeln für Fahrräder eingeführt werden sollen. Wir haben uns 2 Argumente dafür und 3 dagegen angeschaut.
Herrenlose Räder lassen sich mit Nummernschildern zuordnen
  1. Abschreckende Wirkung und einfache Identifikation

Es gibt Radfahrer, die so schnell an Fußgängern oder anderen Radfahrern vorbei fahren, dass diesen Angst und Bange wird. Wenn das Rad ein Nummernschild hätte, könnte man den Fahrer – ähnlich wie bei einem Auto – einfach identifizieren. Dadurch, dass man Radfahrer durch eine Nummerntafel identifizieren kann, kann man sie strafrechtlich verfolgen. Diese Möglichkeit soll durch die abschreckende Wirkung dazu führen, dass Radfahrer Verkehrsordnungen befolgen und mehr Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen, vor allem auf Fußgänger. Auch Fahrerfluchten sollen auf diese Weise weitestgehend verhindert werden.

  1. Herrenlose Räder lassen sich zuordnen

Räder, die von ihren Besitzern vergessen werden (ja, so etwas soll tatsächlich vorkommen!) oder Fahrräder, die sich jemand „ausgeliehen“ hat und danach oft monatelang Fahrradständer blockieren, können von der Exekutive identifiziert und ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückgebracht werden.

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KONTRA

  1. Hoher bürokratischer Aufwand und Materialkosten

Wenn Nummerntafeln vorgeschrieben werden, dann entsteht nicht nur für den Staat ein großer bürokratischer Aufwand, sondern auch für jeden Fahrradfahrer. Das bedeutet nicht nur einen zeitlichen, sondern auch einen finanziellen Aufwand und würde eine zusätzliche Schwelle bedeuten, so dass viele Interessierte möglichweise doch nicht mit dem Radfahren anfangen. Nicht zu vernachlässigen sind auch die hohen Materialkosten von Nummerntafeln. In der Schweiz wurden aus diesem Grund 1989 die Kennzeichnungen wieder abgeschafft. Danach haben Radfahrer übrigens eine Vignette auf ihr Rad geklebt – allerdings diente diese nicht der Identifizierung, sondern gab Auskunft darüber, dass eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. Aber selbst diese Vorschrift wurde 2010 wieder ausgesetzt, da die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen standen.

  1. Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte

Laut Experten würde eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder einen massiven Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte von Radfahrern bedeuten. Die Nummerntafel müsste mit einem Führerschein gekoppelt werden, was Gesetzesänderungen (und zumindest in Österreich auch eine Änderung der Verfassung) erfordern würde.

  1. Keine Notwendigkeit

Laut einer Studie über Verkehrsunfälle besteht kein Bedarf, Nummerntafeln für Fahrräder einzuführen, denn damit eine zivilrechtliche Haftung erhalten bleibt, ist keine Nummerntafel notwendig. Auch Unfälle oder Fahrerflucht ließen sich laut der Studie nicht vermeiden: immerhin verfügen auch Autos über Nummerntafeln, davon werden manche Autofahrer jedoch trotzdem nicht von einer Fahrerflucht oder vom Überfahren einer roten Ampel gehindert.

Nummerntafeln bedeuten Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte und bürokratischen Aufwand

Weltweit gibt es bisher kein Land, in dem eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder erfolgreich eingeführt wurde. Ein Problem dabei ist, dass man sich bisher nicht eindeutig festlegen konnte, wie groß eine Nummerntafel sein müsste, damit man einen Radfahrer, der beispielsweise Fahrerflucht begeht, identifizieren könnte. Sogar bei Mopeds, wo eine größere Fläche zur Verfügung steht, sind die Kennzeichen im Vorbeifahren schwer zu lesen. Die meisten Unfälle entstehen übrigens zwischen Fahrrädern und Autos – ist der Konflikt zwischen Radfahrern und Fußgängern also gar nicht so groß und Nummernschilder damit unnötig?

Auf einige Fragen wurden bisher keine Antworten gefunden: wie geht man beispielsweise mit Leihrädern um? Sollen auch Kinderräder eine Nummerntafel bekommen? Wie werden Rennräder behandelt, bei denen jedes Gramm zählt?

Wir wollen eure Meinung wissen!

Nummernschilder für Fahrräder: ja oder nein? Lassen sich durch Schilder Unfälle vermeiden und die Sicherheit erhöhen oder bedeutet eine Nummerntafel nur einen Eingriff in das Freiheitsrecht, der keine Verbesserungen bringt? Was meint ihr dazu? Lasst es uns in einem Kommentar hier oder auf unserer Facebook-Seite wissen!

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Alle Fotos: © Shutterstock
5 praktische Gadgets für Radfahrer

5 praktische Gadgets für Radfahrer

Endlich ist er da: der Sommer. Damit ihr die Sonnenstrahlen und das perfekte Wetter optimal auf euren Fahrrädern genießen könnt, haben wir für euch eine Liste an Gadgets für Radfahrer zusammengestellt, die für mehr Sicherheit sorgen sollen und zudem praktisch sind.
Blinker fürs Fahrrad (© Shutterstock)

Blinker fürs Fahrrad

Den Anfang machen Blinker fürs Fahrrad – richtig gelesen: wie ein Auto soll man auch mit dem Rad beim Abbiegen blicken können. Will man während einer Fahrrad-Fahrt abbiegen, muss man den Arm ausstrecken, um anderen sein Vorhaben zu signalisieren. Vor allem abends und bei schlechtem Licht wird das Armausstrecken aber oft von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen. Mit dem WingLights Fixed Blinker für das Fahrrad soll sich genau das jedoch ändern. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, entweder fix an die Lenkstange montiert oder flexibel montierbar mit Hilfe eines Magneten. Betätigt wird der Blinker ganz einfach per Antippen. Anfangs wahrscheinlich ungewohnt, soll mit den Winglights die Sichtbarkeit und damit die Sicherheit von Radfahrern ganz einfach erhöht werden.

Preis: ab €29,99

Ein Radar fürs Fahrrad

Aus bis zu 140 Metern Distanz soll das Garmin Varia Radar, das weltweit erste Radarsystem für Fahrräder, davor warnen, wenn sich ein Fahrzeug von hinten nähert. Wenn ein Fahrzeug näher kommt, dann steigert das Radar-Rücklicht seine Intensität, so dass das Fahrrad im Straßenverkehr sichtbar wird. Durch die integrierte Abstandsmessung soll das Gerät die Sicherheit für den Radfahrer erhöhen. Nicht nur der Fahrer hinter dem Rad, sondern auch der Radfahrer selbst wird durch ein Display gewarnt. Beiden Verkehrsteilnehmern wird somit rechtzeig signalisiert, dass sich ein anderer direkt vor bzw. hinter ihm befindet, womit die Sichtbarkeit von beiden erhöht und die Sicherheit gesteigert wird. Immerhin sind Auffahrunfälle eine der häufigsten Unfallursachen bei Fahrradfahrern, am häufigsten passieren Unfälle weil Radfahrer im Verkehr übersehen werden. In dieser Hinsicht kann das Garmin Varia Radar für Abhilfe sorgen. Der Nachteil des Systems ist allerdings der relativ hohe Preis.

Preise: €299,00 (Radar + Anzeige) bzw. €199,00 (nur Radar)

Leuchtsprays für mehr Sicherheit

Ebenfalls für mehr Sicherheit sorgen sollen Leuchtsprays, denn vor allem nachts wird man häufig von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen. Leuchtsprays, die bei Dunkelheit für mehr Sichtbarkeit sorgen, sind daher streng genommen nicht nur für Radfahrer, sondern auch für alle anderen, die häufig nachts unterwegs sind, geeignet. Der Hersteller Albedo stellt Sprays her, die für mehr Sicherheit sorgen sollen. Die Inhaltsstoffe der Sprays sind kleine, reflektierende Mikrokugeln, transparenter Kleber und eine Mischung aus Propan- und Butan-Gas. Für Mensch und Umwelt sind die Inhaltsstoffe völlig unschädlich. Man kann damit die Kleidung einsprühen, aber auch Fahrradhelme oder das gesamte Fahrrad lassen sich mit dem Spray besprühen.

Preis: $18,99 + Versand

© Shutterstock

Intelligente Fahrradschlösser

Fahrräder sind ein beliebtes Diebesgut, umso wichtiger, dass man ein verlässliches Fahrradschloss hat, mit dem man einen Dieb erfolgreich davon abhält, ein Fahrrad zu stehlen. Sichere Schlösser gibt es mittlerweile viele – jedoch nervt das ständige Suchen nach dem Schüssel oder der extra komplizierte Code, den man immer wieder eingeben muss, um das Schloss zu entsperren. Deswegen gibt es bereits zahlreiche Fahrradschlösser, die ganz ohne Schlüssel oder Code auskommen. Wie das funktioniert? Bei den verschiedenen Anbietern gibt es zwar Unterschiede, meist erfolgt das Versperren und Aufsperren jedoch per App.

    • Eines der Schlösser, das per App funktioniert, ist das BitLock. Das Bügelschloss aus 12-Millimeter-Vergütungsstahl funktioniert via Bluetooth und der BitLock-App. Das Schloss registriert auf eine Entfernung von etwa 1,5 Metern seinen Besitzer und durch einen leichten Druck auf die Schließtaste öffnet es sich. Falls der Akku des Smartphones leer ist, kann man das Schloss auch mit einem Code öffnen.
    • Ähnliche Schlösser gibt es auch von den Herstellern I LOCK IT und Lattis, der das Schloss Ellipse anbietet. Je nach Ausführung bieten die Schlösser auch einen zusätzlichen Schutz vor Diebstahl, beispielsweise durch einen Alarm, der losgeht, sobald jemand das Fahrrad hochhebt oder Benachrichtigungen, die an Freunde verschickt werden, wenn die Bewegungssensoren einen schweren Unfall registrieren.

Preise: Bitlock $129; Ellipse: $199; I lock it: €99 (jeweils zuzüglich Versand)

Handyhalterungen fürs Fahrrad (© Shutterstock)

Handyhalterungen

Wenn man stundenlang mit dem Fahrrad unterwegs ist und gleichzeitig das Navi am Handy – zum Beispiel Bikemap – benützt, kennt die Probleme: a) man braucht eine Halterung, in der man das Handy verlässlich befestigen kann und b) neigt sich irgendwann auch der beste Akku dem Ende zu.

  • Für ersteres gibt es beispielsweise das QuadLock Bike, das sich bei Tests als besonders stabil und verlässlich erwiesen hat. Bei Regen kann man eine Schutzhülle verwenden, die das Handy schützt. Um den Akku während einer Fahrt aufzuladen, gibt es Adapter, mit denen sich der Akku durch die eigene Muskelkraft aufladen lässt. Das Ladekabel des Handys wird dabei an den Dynamo des Fahrrads angeschlossen. Vor allem wenn man längere Zeit Outdoor mit Rad und Handy unterwegs ist, ist diese Variante besonders empfehlenswert und praktischer als beispielsweise Powerbanks, denn man ist völlig unabhängig von Stromquellen.
  • Es gibt außerdem bereits Ausführungen, bei denen zusätzlich ein Scheinwerfer integriert ist. Eine einfache und preiswerte Variante eines Dynamos und Adapters gibt es zum Beispiel von Revolt Power.

Preise: QuadLock Bike: ab €39,95; Revolt Power: ab €29,90

Was sind eure Favoriten?

Fahrradfahren ist immer mehr en vogue – was dazu führt, dass immer mehr Gadgets für Fahrräder auf den Markt kommen. Nicht alle sind unbedingt notwendig oder sinnvoll, einige erhöhen aber die Sicherheit von Radfahrern und sind damit zumindest eine Überlegung wert, ob man sie sich nicht doch anschaffen sollte. Was sind für euch unverzichtbare Gadgets, ohne die ihr keinen Radausflug mehr macht? Hinterlasse uns ein Kommentar!

Top ausgerüstet für die nächste Fahrrad-Tour?

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Bikemap-User im Fokus: Jeff Kadet aus Seattle

Bikemap-User im Fokus: Jeff Kadet aus Seattle

Jeff Kadet ist einer unserer Langzeit-Heavy-User. Schon seit 2009 ist er Premium-User von Bikemap und hat bereits über 500 Routen erstellt. Grund genug, ihm einige Fragen über seine Leidenschaft für das Fahrradfahren sowie über den Einfluss von Bikemap auf seine Fahr-Gewohnheiten zu stellen, inklusive der – im wahrsten Sinne des Wortes – bewegenden Geschichte seines Lebens und einigen Tipps für euch!

Wie und warum hast du mit dem Fahrradfahren begonnen?

Natürlich bin ich als Kind bereits Rad gefahren, aber das erste Mal als Erwachsener habe ich in meinen späten 20ern ein Rad gekauft, als ich gerade in New York City gelebt habe. Ich habe ein altes, gebrauchtes Rad um $50 gekauft und bin damit an den Wochenenden durch Manhattan gefahren. Die einzige richtige Erinnerung, die ich daran habe, ist, als ich am 4. Juli 1976 damit gefahren bin, denn es war das 200-jährige Jubiläum des Bestehens der Vereinigten Staaten. Ich bin von mir zu Hause, ich habe damals in Soho gewohnt, bis nach Lower Manhatten gefahren, wo man am besten die Schiffe auf dem Hudsen River sehen konnte.

1979 bin ich nach Singapur gezogen und habe dort meine Frau kennengelernt. Gemeinsam haben wir mit dem Fahrradfahren auf Drei-Gang-Raleigh-Rädern begonnen. Wir haben langsam damit begonnen und sind dann regelmäßig an den Wochenenden gefahren, meistens drei bis fünf Stunden. Wir sind nie besonders schnell gefahren, aber wir sind immer angekommen.

Nachdem wir 1982 nach Houston gezogen sind, haben wir uns Zehn-Gang-Räder gekauft und die schöne Landschaft, die Texas zu bieten hat, voll ausgenutzt, indem wir lange Ausflüge mit dem Rad gemacht haben. Manchmal sind wir dabei auch von Gewittern, für die Texas bekannt ist, erwischt worden. Einer der Anreize, die wir für unsere Ausflüge hatten, war das „Dairy Queen“, wo wir zwischendurch Stopps gemacht und Banana-Split gegessen haben.

Im Jahr 1983 haben wir uns zum ersten Mal selbst eine Tour zusammengestellt. Wir sind während der Feiertage des 4. Juli mit Fahrradtaschen von Houston nach Austin und zurück gefahren. Wenn man die Hitze bedenkt, die im Sommer in Texas herrscht, war das nicht das Klügste, das wir je gemacht haben. Aber wir lernten in dieser Zeit kaltes Soda sehr zu schätzen, die wir in Geschäften auf dem Weg gekauft haben. Trotz der Schmerzen meiner Frau, ihren geschwollenen Knien und den Feuerameisen, die uns auf den Campingplätzen geplagt haben, war das nicht die letzte eigenständige Tour, die wir gemacht haben.

Ein paar Jahre später sind wir nach Japan gezogen und haben dort unsere eigenständigen Touren fortgeführt. Wir haben oft ein- oder zweiwöchige Touren gemacht, die wir in Tokyo mit der Fähre begonnen haben. Auch nachdem wir in den 1990er-Jahren nach Moskau gezogen sind, haben wir unsere Touren fortgesetzt. Wir sind mit unseren Dawes-Bikes gemeinsam mit Freunden nach West-Europa gefahren und von dort zurück nach Moskau. Das hat dazu geführt, dass wir durch England, Frankreich, die Schweiz, Deutschland und Österreich gefahren sind. Was für ein Vergnügen!

Nachdem ich das erste Mal in den Ruhestand getreten bin, haben wir zwar wieder in den Vereinigten Staaten gelebt, sind aber weiterhin fast jedes Jahr nach West-Europa geflogen, um unsere eigenständigen Rad-Touren fortzusetzen. Diese dauerten zwischen einen und mehr als vier Monaten. In den letzten Jahren haben wir viel Zeit in ländlichen Gebieten im Südwesten von Frankreich verbracht, mit unseren zwei Rädern und ohne Auto. Wir benutzen dafür immer noch die gleichen Dawes-Räder wie damals in den 1990ern.

Jeff Kadet ©

Was waren deine größten Erfolge beim Fahrradfahren?

Größte Erfolge? Weder meine Frau noch ich denken an Erfolge im engeren Sinne. Stattdessen freuen wir uns über den Prozess. Der „Erfolg“ ist wahrscheinlich, dass wir immer noch regelmäßig fahren.

Was macht für dich eine perfekte Rad-Tour oder -Strecke aus?

Den Großteil unserer Rad-Touren haben wir im südlichen Drittel von Frankreich unternommen, etwa vom Département Cantal bis in den Süden. Es gibt viele Gegenden (zum Beispiel den Puy Mary und den Pass Pas de Peyrol), durch die wir wahrscheinlich schon acht bis zehn Mal gefahren sind. Wir erinnern uns noch an das Datum, als wir das erste Mal am Pas de Peyrol gefahren sind, denn es war der 11. September 2001 und wir haben in unserem Hotel, das wir unterwegs gefunden hatten, beim Abendessen von den Anschlägen auf das World Trade Center in New York erfahren. Zu unseren weiteren Lieblingsgegenden in Frankreich, zu denen wir unzählige Male zurückgekehrt sind, zählen Le Garde, die Gorges du Tarn und die Gorges de la Jonte, Marvejols inklusive der Landschaft Aubrac sowie die Gegenden nördlich der Pyrenäen, vom Atlantik zum Mittelmeer, Sisteron, Castellane, Annecy und so weiter. Wir haben Freunde in Albi, deswegen sind wir schon oft nach und aus Albi gefahren, in jede erdenkliche Richtung. Eine der schönsten Strecken dort ist die Fahrt zwischen Albi und Millau, wo man unter dem Viadukt von Millau fährt.

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Jeff Kadet ©

Was bedeutet das Fahrradfahren für dich und welche Gefühle löst es in dir aus?

Unsere Tages-Fahrten von Zuhause aus und das Touren ist etwas, das meine Frau und ich gemeinsam genießen. Wie gesagt, uns liegt viel am Prozess des Fahrens und nicht so viel am Ziel unserer Fahrten. Als ich noch gearbeitet habe (meistens 80 oder mehr Stunden die Woche), waren unsere Tages-Fahrten an den Wochenenden und die Urlaube, die wir auf dem Rad verbracht haben, immer eine „Quality-Time“ für uns. Auch jetzt, seitdem ich im Ruhestand bin, setzen wir das genauso fort – abgesehen davon, dass unsere Touren jetzt mehrere Monate statt nur eine oder zwei Wochen dauern. Jetzt, nachdem wir ja älter werden, wird eine regelmäßige sportliche Aktivität immer wichtiger, um geistig und körperlich gesund zu bleiben. Meine Frau sagt gerne, dass sie die Endorphine, die beim Fahren freigesetzt werden, mag. Für uns beide ist es auch eine Art Befriedigung, wenn wir eine gewisse Anzahl an Meilen aus eigener Kraft hinter uns gebracht haben, und nicht der Motor unter uns.

Was sind die Vorteile von Fahrrädern im Vergleich zu Autos oder öffentlichen Verkehrsmitteln?

Jetzt, wo wir wieder zurück in Seattle sind, nachdem wir Zeit in Frankreich verbracht haben, setzen wir unser Leben mit Fahrrädern und ohne Auto fort. Wir haben aber gerade einen einmonatigen Trip gemacht, bei dem wir 7.000 Kilometer in einem Leihauto gefahren sind, mit unseren Fahrrädern im Kofferraum. Das war unser erster langer Auto-Trip seit mehr als 30 Jahren. Auch wenn es uns gefallen hat, werden wir wohl nicht so schnell wieder so eine Art von Reise machen. Freie Touren mit dem Fahrrad sind einfach viel besser und zufriedenstellender.

Unsere Fahrt, inklusive einiger Fahrrad-Fahrten, führte uns durch die Great Plains und den gebirgigen Westen der USA. Die Entfernungen zwischen den Kleinstädten und Wasserquellen dort sind enorm. Im Gegensatz dazu kann man in West-Europa relativ bequem mit dem Fahrrad fahren, weil man weiß, dass es immer irgendwo in der Nähe einen Ort gibt, wo man die Nacht verbringen kann. Wenn es in einem Ort kein freies Hotel oder B&B gibt, dann weiß man immer, dass man innerhalb weniger Kilometer den nächsten Ort findet, wo man sich ein Hotel suchen kann. Ich schätze, dass – dadurch, dass sich der Großteil der westlichen Hälfte der USA erst nach der Erfindung des Autos entwickelt hat – die Qualität der Straßen für Fahrräder deswegen schlechter ist. Die Distanzen zwischen Dörfern und Kleinstädten im Westen spiegeln oft die großen Distanzen wider, die man mit einem Auto zurücklegen kann und nicht die Entfernung, die man zu Fuß oder mit einem Gefährt, das von Tieren gezogen wird, bewältigen kann. In Europa hingegen haben wir meist ein Netz aus gut gepflasterten und gewarteten Straßen vorgefunden, auf denen wenig Verkehr herrscht. Fahrradfahren ist dort perfekt und ermöglicht es außerdem überall hinzukommen. Im Gegensatz dazu gibt es hier, vor allem im Westen der USA, weniger solcher gut gepflasterten und gewarteten Straßen. Das macht es schwierig, gute Straßen mit wenig Verkehr zu finden. Ich schätze, dass es im Osten der USA, der schon länger besteht, einfacher ist, geeignete Straßen zu finden, auch die Distanzen zwischen den Orten sind dort kürzer. Vielleicht werden wir die eine oder andere Strecke dort einmal probieren. Wir haben trotzdem vor, wieder und wieder nach Europa zu reisen und auch in Zukunft dort Touren zu fahren.

Um zurück zur eigentlichen Frage zu kommen, was die Vorteile des Fahrradfahrens sind: das Radfahren bietet ein nie endendes Vergnügen und eine Art Erheiterung, zusammen mit der Wertschätzung der Umgebung, durch die man fährt. Natürlich gibt es auch noch den Bonus, dass man fit wird. Insgesamt gib es einem das Gefühl, sich am Höhepunkt seines Lebens zu befinden.

Jeff Kadet ©

Gibt es irgendwelche Tipps, Vorschläge oder Erfahrungen, die du mit unseren Bikemap-Usern teilen möchtest?

Hab keine Angst vor eigenständigen Touren. Genieße den Prozess und konzentriere dich weniger auf das Ziel.

Verbessert Bikemap dein tägliches Leben als Fahrrad-Fahrer?

Bikemap stellt mir seit ca. einem Jahrzehnt sehr nützliche Werkzeuge zur Verfügung, um meine Fahrten zu dokumentieren. Es dient uns auch als Erinnerungsstütze. Hoffentlich waren unsere aufgezeichneten Strecken auch für andere Fahrradfahrer und Touristen in der Bikemap-Community hilfreich.

Jeff, vielen Dank für deine Zeit! Und mach weiter mit dem Fahrradfahren – aber wir sind uns ziemlich sicher, dass du das machen wirst!

Jeff Kadet ©

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Das Für und Wider der Freigabe von Forststraßen

Das Für und Wider der Freigabe von Forststraßen

Etwa 100 Radfahrer haben sich Anfang Mai vor dem österreichischen Parlament versammelt, um für eine Öffnung der Forststraßen zu demonstrieren. In den Nachbarländern ist eine Freigabe für Radfahrer längst Realität. Warum nicht auch in Österreich?

Mountainbiker fordern die Freigabe von Forststraßen

Anlass für die Diskussion, die schon seit Jahren immer wieder aufkeimt, war die Strafe eines Radfahrers durch ein Forstaufsichtsorgan und Securities in der Nähe von Leoben. Der Radfahrer erhielt eine Unterlassungsaufforderung samt Androhung einer Klage und eine Geldstrafe in der Höhe von 360 Euro. Die Befürworter der Freigabe, unter anderem die Radlobby, die Bergsport-Community „upmove“ und Vereine wie die Naturfreunde und der Alpenverein, fordern nun erneut eine Freigabe von Forststrecken für Fahrradfahrer, denn bisher sind Forstwege in Österreich nur Fußgängern zugänglich.

Was spricht für eine Freigabe von Forststraßen?

Das österreichische Gesetz stammt aus dem Jahr 1975 und stammt somit aus einer Zeit, als Fahrradfahren noch nicht allzu verbreitet war und kaum Beachtung in der Gesetzgebung fand. Mittlerweile ist die Fahrrad-Community weltweit enorm gewachsen und auch für den Tourismus interessant, da Fahrradfahrer ein zahlungskräftiges Publikum sind. In der Schweiz und Deutschland beispielsweise ist das Recht auf Erholung in einem Forstgebiet nicht Wanderern vorbehalten, sondern auch Mountainbikern dürfen den Wald befahren – und das Nebeneinander auf den Forststraßen funktioniert ohne gröbere Probleme. Dazu kommt, dass bereits jetzt viele Radfahrer auf Forststraßen in Österreich unterwegs sind, ohne überhaupt zu wissen, dass dies illegal ist und hohe Strafen nach sich ziehen kann. Immer wieder wird auf Besitzstörung geklagt, wobei es um einen Streitwert von bis zu 15.000 Euro geht.

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Was spricht gegen eine Freigabe von Forststraßen?

Durch eine generelle Freigabe könnten sich Grundbesitzer übergangen fühlen, wodurch mehr Konflikte befürchtet werden. Grundbesitzer fürchten einen Eingriff in ihr Eigentum, das gleichzeitig auch Arbeitsplatz ist. Außerdem befürchten Förster, dass das Wild im Wald durch Radfahrer verängstigt werden könnte. Auch was die Haftpflichtversicherung betrifft wird in Österreich eine „Klagsflut“ von Radfahrern, die auf Forstwegen einen Unfall haben, befürchtet. Eine Möglichkeit wäre jedoch, dass jeder Waldbenutzer selbst haftet.

Was ist eure Meinung?

Das Gesetz, das in Österreich das Fahrradfahren im Wald bisher illegal macht, könnte mit einem Zusatz versehen werden, womit es modernisiert wird und der Realität entspricht, die 40 Jahre nach dem ursprünglichen Entwurf herrscht. Was ist eure Meinung zu dem Thema? Ist ein Verbot für Radfahrer berechtigt? Welche Erfahrungen habt ihr auf Forststraßen in Österreich, Deutschland und der Schweiz gemacht? Teilt sie uns in den Kommentaren hier oder auf unserer Facebook-Seite mit!

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Leicht, schnell und retro: das perfekte Hipster-Bike

Leicht, schnell und retro: das perfekte Hipster-Bike

Rund um das Fahrrad gibt es vor allem in größeren Städten einen wahren Hype. Coole Werkstätten und hippe Fahrrad-Shops sprießen in den Bobo-Bezirken geradezu aus der Erde. Mitverantwortlich dafür sind die vielen jungen (oder jung gebliebenen) Radfahrer, die beim Kauf eines Fahrrads vor allem auf eines achten: die Coolness.

Das Fahrrad als Lifestyle-Objekt

Ein perfektes Hipster-Rad muss zugleich sportlich und praktisch sein. Wer etwas auf sich hält und in den hippen Bezirken beim Vorbeifahren an den vielen schicken Cafés im Retro-Stil einen guten Eindruck machen will, der fährt ein Fixie. Das Ein-Gang-Rad ist eines der wichtigsten Accessoires eines jeden Hipsters. Früher noch underground, ist das Fixie mittlerweile längst im Mainstream angekommen.

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Der Kult um das Fixie

Das Fixie zeichnet sich vor allem durch seine Einfachheit aus. Das Rad hat nur einen einzigen Gang, ein schlichtes, cleanes Design und wirkt wahrscheinlich gerade deshalb auf Hipster so anziehend: sie wirken wie aus einer anderen Zeit und bestechen durch ihre Schlichtheit. Zwei Dinge also, die auf einen Hipster eine magische Anziehung ausüben. Aber nicht nur das Design ist überzeugend, auch das Fahrgefühl ist einmalig: durch den fehlenden Freilauf bewegt sich das Rad nur durch die Bewegung der Beine – man ist also zu 100 % selbst für die Geschwindigkeit verantwortlich und steuert sie über die Kraft der Beine. Durch das Fahrradfahren in seiner ursprünglichsten Form kommt der Fahrer in einen echten Flow – wohl einer der Gründe, warum Fixies mittlerweile so beliebt sind. Man muss sich keine Gedanken über die Gangschaltung machen und besinnt sich auf das Wesentliche. Auch bei Fahrradboten sind Fixies beliebt, denn sie eignen sich bestens für das Fahren in der Stadt. Wichtig ist jedoch, dass das Rad über Bremsen verfügt – bei einem „echten“ Fixie gibt es jedoch keine. Für den Gebrauch im Straßenverkehr befindet sich der Hipster daher in einem Dilemma: entweder die Sicherheit durch Bremsen erhöhen und dafür die Authentizität senken oder ein 100 % echtes Hipster-Fixie besitzen, das dafür zur Gefahr wird, sobald einem als Fahrradfahrer ein Auto den Vorrang nimmt und man schnell bremsen muss.

Durch seinen Purismus ist das Fixie ausgesprochen wartungsarm, was sicher ebenfalls zu seiner Beliebtheit beiträgt. Auch wenn das Fixie nicht mehr ein reines Hipster-Bike ist, ist es dennoch DAS Fahrrad für Hipster schlechthin – ob mit oder ohne Bremse.

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Ein Hang zum Minimalismus

Grundsätzlich lässt sich fast jedes Fahrrad – außer etwa ein Mountainbike, das viel zu schwer und massiv für ein Hipster-Rad ist, das hauptsächlich in Städten gefahren wird – zu einem echten Hipster-Bike umgestalten. Ein Hauptkriterium ist das leichte Gewicht des Fahrrads. Schließlich soll es leicht zu transportieren sein und nicht viel Platz in der Wohnung einnehmen. Immerhin ist ein (Hipster-) Fahrrad ein liebgewonnener Gegenstand, den man immer um sich haben möchte und der daher auch einen eigenen Platz in der Wohnung hat. Der Trend geht zu einem minimalistischen Fahrrad mit einem schmalen Lenker und einem schlanken Rahmen. Wichtig ist außerdem, dass das Rad im Retro-Look daherkommt. Um Diebstählen vorzubeugen sollte es nicht allzu wertvoll aussehen, ein schlichtes Design haben, einzigartig sein und – sehr wichtig – nicht als Hipster-Bike bezeichnet werden. Denn für einen Hipster ist vor allem eins wichtig: sich nie selbst als einen solchen zu bezeichnen.

Worauf legt ihr Wert?

Was sind eurer Meinung nach die wichtigen Merkmale eines Hipster-Bikes? Und was ist euch persönlich wichtig bei der Ausstattung und Optik eines Fahrrads? Teilt es uns in einem Kommentar hier oder auf unserer Facebook-Seite mit!

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